Captain's View
There Is No Finish Line
Warum du nie eine Frontier Firm "wirst" — und warum das eine gute Nachricht ist.
Zuerst erschienen als Copilot Your Day #127 · für diese Site überarbeitet und aktualisiert · 6 Min. Lesezeit
Ich rede immer wieder über die Frontier Transformation und darüber, dass Unternehmen danach streben, eine Frontier Firm zu werden. Die gute Nachricht: Es gibt tatsächlich Frontier Firms da draussen. Die schlechte Nachricht: Es gibt keine Ziellinie.
Warum solltest du also in ein Rennen einsteigen, das nie zu Ende ist? Oder überhaupt nach etwas streben, das vielleicht nie endet? Denk an meine Gym-Metapher: Du kannst danach streben, fit zu sein und Muskeln aufzubauen. Das ist harte Arbeit — du brauchst einen Plan, Disziplin, und Spass macht es auch nicht immer. Du kannst die stärkste Frau oder der stärkste Mann auf diesem Planeten sein: Sobald du aufhörst zu trainieren, verlierst du deine Muskeln, und deine Fitness baut ab. Dasselbe gilt für deine AI-Transformation.
Trainieren wir trotzdem weiter? Kümmern wir uns trotzdem um unsere Gesundheit? Natürlich tun wir das!
Die Frage, die richtig klingt — aber es nicht ist
Du bist auf Kurs mit deiner Transformation, hast gute Fortschritte auf der Agenda gemacht — und dann kommt dir diese Frage in den Sinn:
“Also — sind wir jetzt eine Frontier Firm?”
Es ist ein Paradox. Es klingt nach etwas, das du anstrebst wie den nächsten Go-live oder einen Projektmeilenstein, den du abnimmst — und fertig. Leider funktioniert es so nicht. Aber ich verstehe die Frage, denn “eine Frontier Firm sein” unterstellt, dass man etwas erreicht, wie eine Auszeichnung. Es ist eher eine Art zu denken und zu handeln — sagen wir: eine Philosophie, die du in deiner Organisation aufbaust und am Leben hältst.
Du wirst keine Frontier Firm. Du trainierst als eine.
Die Frage klingt also richtig, ist aber das falsche Denkmodell. Schauen wir uns an, was stattdessen die richtigen Fragen und das richtige Denkmodell sind.
Wenn du einen ersten Anhaltspunkt willst, wo du auf deiner Reise stehst: Mach den Frontier Fitness Check.
Die Frontier bewegt sich
Aber warum ist Frontier Firm kein Status, den du einmal erreichst und in die Vitrine stellst? Schau einen Monat zurück, drei Monate, ein Jahr: Siehst du das Muster? Genau — was wir vor drei Monaten als Frontier bezeichnet hätten, ist heute vielleicht schon Standard. Frontier zu sein ist extrem fluide und dynamisch, genau wie all die Ankündigungen, die wir jeden zweiten Tag lesen. Also bauen wir stattdessen ein Operating Model, das über “das nächstbeste AI-Modell” hinaus Bestand hat — ein solides Fundament, das über die Zeit skaliert und gleichzeitig flexibel genug ist, um bei Bedarf umgebaut zu werden.
Es gibt keine Ziellinie. Die Frontier bewegt sich.
Eine Frontier Firm hat deshalb ein natürliches Verständnis dafür, dass Veränderung in ihrer DNA liegen muss. Der wichtigste Aspekt ist ein dynamisches Mindset in der Organisation — ein Mindset, das Menschen wachsen lässt und es ihnen erlaubt, ihre tägliche Arbeit immer wieder neu zu formen.
Muster, nicht Phasen
Der zweite Grund, warum es keine Ziellinie gibt: Organisationen bewegen sich nicht in sauberen Phasen durch diese Reise. Das wäre schön, oder? Phase 1 erledigt, Phase 2 erledigt, die nächste bitte. Aber das ist nicht, was ich in echten Projekten sehe.
Was ich stattdessen sehe: Eine Abteilung fährt bereits Agenten-Workflows im Tagesgeschäft, während die Nachbarabteilung noch diskutiert, ob KI in Meeting-Notizen erlaubt ist und wie sie ihre Meetings neu strukturiert. Dieselbe Firma — aber zwei völlig verschiedene Realitäten.
Und es ist nicht einmal stabil. Ein Team springt in einem Bereich nach vorne und fällt in einem anderen zurück. Diese ganze AI-Transformation ist ein Ansatz auf mehreren Ebenen. Das Sales-Team baut grossartige Gewohnheiten mit Copilot auf, dann gehen zwei Schlüsselpersonen — und plötzlich sind die Gewohnheiten auch weg.
Es gibt also keinen einzelnen Moment, in dem die ganze Organisation gemeinsam eine Linie überquert. Und wenn niemand gemeinsam eine Linie überquert, gibt es keine Linie. Es gibt nur Muster: Verhalten, das sich ausbreitet, Verhalten, das hält, und Verhalten, das verblasst.
Deshalb habe ich aufgehört, in Phasen zu denken, und angefangen, in Mustern zu denken.
Wie fluide diese Reise ist, erleben und “spüren” wir ziemlich oft. Auf LinkedIn ist es ein beliebter Sport, über Microsofts nächstes Rebranding oder Renaming zu lachen. Und ich verstehe es — es ist nervig, frustrierend und verwirrend. Warum muss sich das schon wieder ändern? Ich hatte mich gerade an das letzte Update gewöhnt.
Aus meiner Sicht ist es genau diese sich bewegende Frontier, mit der Microsoft immer wieder umgehen muss. Seien wir ehrlich: So viel mehr Erfahrung mit all dem generativen AI-Zeug, das wir täglich erkunden, haben sie auch nicht — na gut, natürlich haben sie sie, aber ein paar Monate Vorsprung, keine Jahrzehnte — und sie lernen jeden Tag dazu, aus Feedback und von ihren Kunden. Und sie sind mutig genug, sich ständig selbst zu verändern und all die kleinen Teile zu einem grossen AI-Transformations-Puzzle zusammenzusetzen.
Ein Beispiel als Beleg: Am Anfang der agentischen AI-Ära beschrieb Microsoft die Reise zur Frontier Firm als Phasen. Also nahmen wir an: Jede Organisation startet mit Phase 1, Mensch + Assistent; ist die abgeschlossen, geht es weiter zu Phase 2, und so weiter. Aber nach einer Weile zeigte der Markt, dass das nicht stimmt. Manche Organisationen hatten mit Phase 1 kaum angefangen und waren schon in Phase 3. Also musste sich das Denkmodell ändern: von Phasen zu Mustern. Heute heisst es Pattern 1, 2 und 3 — was deutlich mehr Sinn ergibt. Wir sind alle auf einer Lernreise.
Weitermachen — oder alles verlieren
Wenn du meine früheren Episoden gelesen hast, kennst du das eine Muster, das ich immer wieder sehe. Ich nenne es das Copilot-Plateau: Organisationen haben am Anfang einen fantastischen Job gemacht, alle waren begeistert vom Copilot-Rollout — und nach einer Weile merkten sie: “Hm, wir haben eigentlich keinen Wert realisiert.”
Vergleich es mit dem Gym. Du hast hart gearbeitet, um fit zu werden, dein Cardio verbessert, Muskeln aufgebaut. Und dann entscheidest du plötzlich: “Das reicht. Ich habe genug Muskeln.” Jetzt hast du zwei Möglichkeiten:
- Weiter ins Gym gehen und die Muskeln halten.
- Aufhören — und alles verlieren.
Zugang ist nicht Fitness. Und Fitness ist kein Status.
Und es passiert nicht über Nacht — genauso wenig, wie die Muskeln über Nacht gewachsen sind —, sondern langsam und stetig. Nach ein paar Monaten merkst du: Der Bizeps ist nicht mehr so gross. Oder: Der Output mit Copilot ist nicht mehr so gut.
Du — als Organisation — musst also weitermachen, oder du verlierst alles.
Es gibt keine Ziellinie — aber gewinnen kannst du trotzdem
Niemand ist fertig trainiert, nur weil sie oder er fit ist — oder die Beste der Welt. Im Gegenteil: Die Besten auf diesem Planeten sind die, die konstant trainieren und versuchen, immer besser zu werden. Natürlich trainieren sie nicht wie ein Junior. Aber die Basics sind immer Teil des Programms.
Dasselbe gilt für deine AI-Transformation und den Weg zur Frontier Firm. Du legst die Latte hoch — und es ist immer noch ein riesiger Vorteil für Organisationen, im “top right” der AI-Transformation zu stehen. Vielleicht sogar ein unfairer Vorteil gegenüber denen, die aufgehört haben zu trainieren.
Kernfragen
Ist "Frontier Firm" einfach ein weiteres Reifegradmodell?
Nein. Ein Reifegradmodell hat Stufen, die man abschliesst, und eine oberste Stufe, die man erreicht. Die Frontier bewegt sich — was vor drei Monaten als Frontier-Verhalten galt, ist heute Standard. Frontier Firm beschreibt, wie deine Organisation mit Veränderung umgeht, nicht, auf welcher Stufe sie steht.
Wenn es keine Ziellinie gibt — woran messe ich Fortschritt?
Nicht mit der Frage "sind wir fertig?" — sondern am Verhalten. Welche Muster breiten sich aus? Welche halten, wenn die Champions keine Zeit mehr haben? Welche verblassen? Fortschritt zeigt sich darin, was Menschen tatsächlich anders tun, gemessen über die Zeit. Für einen ersten Anhaltspunkt: der Frontier Fitness Check.
Demotiviert "nie fertig" nicht das Team?
Nur, wenn du es als Projekt verkaufst, das nie endet. Im Gym ist niemand demotiviert, weil es kein finales Workout gibt. Du trainierst, weil du Resultate siehst — du wirst stärker, du wirst besser. Genau so hier: Feiere die Verbesserungen, nicht die Ankunft.
Wie sieht die Praxis in einer normalen Woche aus?
Kleine Wiederholungen statt grosser Kampagnen. Eine Frage leistet die meiste Arbeit: "Was haben wir diesen Monat trainiert — und was hat sich dadurch verändert?" Mach sie zum festen Agendapunkt. Schaut echte Use Cases an, teilt, was funktioniert hat, streicht, was nicht funktioniert.
Was unterscheidet eine Frontier Firm von einem Digital-First-Unternehmen?
Digital-First dreht sich vor allem darum, welche Tools du nutzt. Frontier Firm dreht sich darum, wie schnell du neue Fähigkeiten in neues Verhalten übersetzt — und wie gut dieses Verhalten hält. Du kannst Digital-First sein und trotzdem auf dem Plateau feststecken.
Wo fange ich an, wenn meine Organisation gerade auf dem Plateau steht?
Nicht mit der nächsten grossen Kampagne. Fang wieder klein an zu trainieren: ein Team, ein Workflow, eine Gewohnheit — und verankere sie, bevor du skalierst. Das Plateau ist kein Technologieproblem. Es ist ein Trainingsproblem.
Der Guide gibt dir das Denkmodell. Trainiert wird anders.
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